Ein Stück aus einem meiner Buchprojekte
Sie reckte und streckte sich im Strandkorb, er wurde ihr plötzlich zu eng. Und sie wusste, was sie jetzt tun wollte: Jetzt sofort ohne alle Hüllen ins Wasser springen.
Alle mutigen Frauen der Vergangenheit und Gegenwart schienen sie in diesem Moment dazu anzuspornen. Vor allem Brigitte Reimann, die lieber dreißig wilde als siebzig brave Jahre leben wollte.
Das wollte Anabella auch. Lieber wenige wilde Jahre als viele brave Jahre.
Sie sprang auf, warf dabei die Wasserflasche um, riss sich ihre Kleider regelrecht vom Leibe und sprintete ins Wasser. Dabei erkannte sie, dass sie gar nicht mehr allein am Strand war. Doch das war ihr einerlei. Sie ließ sich in die herannahenden Wellen gleiten und schwamm weit hinaus. Dabei verspürte sie pure Lebenslust und nicht im Geringsten mehr diese zermürbende Todessehnsucht von damals.
Es machte riesigen Spaß, das Salzwasser unmittelbar auf der Haut zu spüren. Mehr noch, es weckte erregende erotische Wünsche in ihr. Nicht altersgemäße. Puh, wenn das ihre Mutter wüsste, sie würde erst einmal gar nicht verstehen, was ihre Tochter meinte, sie würde dann den Kopf schütteln, ihren sowieso etwas gekrümmten Zeigefinger noch mehr krümmen und diesen Satz mit dem Übermut sagen oder einen anderen, vielleicht den mit der Vernunft.
Anabella hielt ihre beiden Hände zu einem Trichter geformt an den Mund. „Salz auf meiner Haut“, rief sie den über ihr kreisenden Möwen zu. Und diese kreischten zurück. Es klang fast wie: „ Schrei nicht so, wir verstehen dich doch, aber gib nicht so an!“ Ob denn Jonathan unter ihnen war? Die mutige, aus der Reihe tanzende Möwe aus Richard Bachs Buch?
Der Spruch aber, den ihre Mutter stets zu sagen pflegte, wenn die kleine Anna einmal besonders aufgeweckt und übermütig gewesen war, lautete: Übermut tut selten gut.
Ach was, das stimmt ja gar nicht. Übermut tut schrecklich gut! Anabella schaute den Möwen hinterher, da sah sie, wie eine von ihnen noch einmal kehrt machte. „Ja, Anabella“, rief diese, „wage es, tanze aus der Reihe, so wie ich, die Möwe Jonathan! Erhebe deine Flügel nicht nur, sondern fliege!“
Nachdem sich Anabella wunderbar unangemessen ausgetobt hatte, ließ sie sich noch einmal von den Wellen treiben und lief dann in Richtung Strandkorb. Das Wasser tropfte aus ihren langen nassen Haaren. Da, das Handy klingelte! Schnell einen Schritt zulegen! Er war es. Er fragte, wie es ihr gehe und wo sie sei. Aber er wartete ihre Antwort erst gar nicht ab, sondern sprudelte die Worte heraus: Darf ich eher kommen? Ich bin schon unterwegs…
Dieser verrückte Kerl! Natürlich zierte sie sich zuerst ein wenig, bevor sie ja sagte. Sie tat so, als würde ihr das alles ganz und gar nicht gefallen. Wie gesagt, Männer muss man zappeln lassen…
Alle mutigen Frauen der Vergangenheit und Gegenwart schienen sie in diesem Moment dazu anzuspornen. Vor allem Brigitte Reimann, die lieber dreißig wilde als siebzig brave Jahre leben wollte.
Das wollte Anabella auch. Lieber wenige wilde Jahre als viele brave Jahre.
Sie sprang auf, warf dabei die Wasserflasche um, riss sich ihre Kleider regelrecht vom Leibe und sprintete ins Wasser. Dabei erkannte sie, dass sie gar nicht mehr allein am Strand war. Doch das war ihr einerlei. Sie ließ sich in die herannahenden Wellen gleiten und schwamm weit hinaus. Dabei verspürte sie pure Lebenslust und nicht im Geringsten mehr diese zermürbende Todessehnsucht von damals.
Es machte riesigen Spaß, das Salzwasser unmittelbar auf der Haut zu spüren. Mehr noch, es weckte erregende erotische Wünsche in ihr. Nicht altersgemäße. Puh, wenn das ihre Mutter wüsste, sie würde erst einmal gar nicht verstehen, was ihre Tochter meinte, sie würde dann den Kopf schütteln, ihren sowieso etwas gekrümmten Zeigefinger noch mehr krümmen und diesen Satz mit dem Übermut sagen oder einen anderen, vielleicht den mit der Vernunft.
Anabella hielt ihre beiden Hände zu einem Trichter geformt an den Mund. „Salz auf meiner Haut“, rief sie den über ihr kreisenden Möwen zu. Und diese kreischten zurück. Es klang fast wie: „ Schrei nicht so, wir verstehen dich doch, aber gib nicht so an!“ Ob denn Jonathan unter ihnen war? Die mutige, aus der Reihe tanzende Möwe aus Richard Bachs Buch?
Der Spruch aber, den ihre Mutter stets zu sagen pflegte, wenn die kleine Anna einmal besonders aufgeweckt und übermütig gewesen war, lautete: Übermut tut selten gut.
Ach was, das stimmt ja gar nicht. Übermut tut schrecklich gut! Anabella schaute den Möwen hinterher, da sah sie, wie eine von ihnen noch einmal kehrt machte. „Ja, Anabella“, rief diese, „wage es, tanze aus der Reihe, so wie ich, die Möwe Jonathan! Erhebe deine Flügel nicht nur, sondern fliege!“
Nachdem sich Anabella wunderbar unangemessen ausgetobt hatte, ließ sie sich noch einmal von den Wellen treiben und lief dann in Richtung Strandkorb. Das Wasser tropfte aus ihren langen nassen Haaren. Da, das Handy klingelte! Schnell einen Schritt zulegen! Er war es. Er fragte, wie es ihr gehe und wo sie sei. Aber er wartete ihre Antwort erst gar nicht ab, sondern sprudelte die Worte heraus: Darf ich eher kommen? Ich bin schon unterwegs…
Dieser verrückte Kerl! Natürlich zierte sie sich zuerst ein wenig, bevor sie ja sagte. Sie tat so, als würde ihr das alles ganz und gar nicht gefallen. Wie gesagt, Männer muss man zappeln lassen…
herbstfrau - Mi, 25. Feb, 21:23

